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  • 19.12.2025 – Abda-Anzeige in Bild, Honorar als Deutungskampf, Reformvertrauen unter Druck
    19.12.2025 – Abda-Anzeige in Bild, Honorar als Deutungskampf, Reformvertrauen unter Druck
    APOTHEKE | Systemblick |  Kommentar: Der Schritt ins Massenmedium zeigt, dass der Verband die Verfahrenstaktik als Risiko liest und eine klare wirtschaftliche Stabilisierung...

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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick | 

Abda-Anzeige in Bild, Honorar als Deutungskampf, Reformvertrauen unter Druck

 

Ausgabe Nr. 103 | Wenn öffentliche Anzeigen nötig werden, verliert Verfahren seine Schutzwirkung

Stand: Freitag, 19. Dezember 2025, um 15:35 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über die Abda-Anzeige in der Bild-Zeitung und den Streit um das Apothekenhonorar

Eine Anzeige in einem Massenblatt ist kein Nebenkriegsschauplatz, sie ist ein Alarmzeichen für ein Verfahren, das seine eigene Überzeugungskraft nicht mehr trägt. Wenn ein Spitzenverband die Botschaft „Kosten rauf, Honorar runter, Betriebe weg“ nicht mehr nur in Ausschüsse, Briefings und Hintergrundgespräche trägt, sondern in die grelle Öffentlichkeit, dann hat er die Geduld mit der politischen Normalform sichtbar verloren. Das klingt für viele wie Hilflosigkeit, doch es ist vor allem ein Zeichen von Eskalationslogik: Wer glaubt, dass im parlamentarischen Prozess die entscheidende Kurve verpasst wird, verändert das Umfeld, in dem Nachbesserungen überhaupt noch als Erfolg wahrgenommen werden.

Die Anzeige wirkt dabei wie eine Übersetzung, die zugleich das Problem entlarvt. Der Reformprozess ist komplex, die Honorararchitektur hängt an Leitplanken, Zuständigkeiten und Verordnungswegen, und genau diese Komplexität ist politisch bequem. In der Anzeige schrumpft alles auf einen Satz zusammen, den niemand wegmoderieren kann. Das ist kommunikativ stark, aber es setzt die Messlatte hoch: Danach zählt weniger, ob irgendwo ein Instrument ergänzt wurde, sondern ob am Ende eine klare wirtschaftliche Stabilisierung sichtbar wird. In einem Umfeld, in dem Schließungen zum Dauersignal geworden sind, ist die Unsichtbarkeit von Ergebnissen bereits ein Ergebnis.

Der gefährlichste Punkt liegt nicht im Ton, sondern in der Verantwortungsverschiebung, die sich gerade durch die Debatte zieht. Wenn Honorar über Verhandlungslösungen, Beitragsstabilitätsdebatten und Selbstverwaltungslogik gerahmt wird, entsteht schnell der Eindruck, der Staat trete einen Schritt zurück und erkläre das Ergebnis zur Sache anderer. Formal kann das elegant wirken, praktisch wird es zur Falle: Die Betriebe erleben weiterhin den gleichen Kostendruck, aber die Verantwortungsadresse wird unscharf. Genau deshalb ist die Anzeige mehr als Protest, sie ist eine Rückrufaktion an die politische Ebene, sich nicht hinter Verfahren zu verstecken, wenn die Versorgungsleistung vor Ort wirtschaftlich ausdünnt.

Gleichzeitig darf man die Anzeige nicht romantisieren. Öffentlichkeit ersetzt keine Honorarlinie, sie kann nur den Preis des Nichtentscheidens erhöhen. Wer die Botschaft zu hart dreht, riskiert, dass Politik sich defensiv einigelt und der Prozess zum Machtspiel wird, statt zur Lösung. Wer sie zu weich dreht, wirkt wie Werbung und verliert die Härte der Lagebeschreibung. Zwischen diesen Polen steckt die eigentliche Aussage: Der Verband versucht, einen letzten Druckpunkt zu setzen, bevor sich ein Reformtext verfestigt, der viele neue Aufgaben beschreibt, aber die Grundfinanzierung nicht als tragenden Pfeiler behandelt.

Für die Bewertung ist entscheidend, was die Anzeige über die innere Lage verrät. Sie zeigt, dass die Interessenvertretung die Zeitachse als Bedrohung liest. Sie zeigt auch, dass die Deutung des Wortes „Stärkung“ auseinanderläuft: Für Politik kann Stärkung heißen, Aufgaben zu erweitern und Optionen zu schaffen, für Betriebe heißt Stärkung zuerst, die Basis so zu stabilisieren, dass zusätzliche Aufgaben nicht zur Überforderung werden. Wenn diese Differenz nicht geschlossen wird, bleibt jede Reform im Alltag ein Mehr an Pflichten bei gleichbleibender Unsicherheit. Das ist kein Kommunikationsproblem, das ist ein Strukturproblem.

Darum lohnt der Kommentar: Er kann das Ereignis aus der Emotion lösen, ohne es zu entkräften. Er kann benennen, dass Anzeigen kein Zeichen von Schwäche sein müssen, sondern ein Symptom dafür sind, dass normale Kanäle nicht mehr als wirksam erlebt werden. Und er kann die offene Zumutung sichtbar machen, die sich hinter dem Slogan „Politik schaut zu“ verbirgt: Wenn der Staat einen Versorgungsauftrag politisch rahmt, aber die wirtschaftliche Tragfähigkeit im Verfahren verflüssigt, dann ist der Protest nicht nur laut, sondern logisch.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Eine Anzeige ist die kürzeste Form eines Protokolls, weil sie das Ungeordnete ordnet und das Verdrängte sichtbar macht. Im Hintergrund laufen Verfahren, Abstimmungen und Formulierungen, doch im Vordergrund zählt, ob ein Betrieb am Ende noch Luft hat. Wenn die Öffentlichkeit plötzlich zum Verhandlungsraum wird, ist das selten eine Laune, sondern ein Zeichen, dass die Zeit gegen die Lösung arbeitet. Das Bild kippt nicht durch einen Satz, es kippt durch das Ausbleiben einer Linie.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Eine Anzeige kann schreien, aber sie kann keine Verantwortung ersetzen. Sie zwingt jedoch dazu, die Verantwortung wieder zu benennen, statt sie zwischen Gesetz, Verordnung und Verhandlung zu verdünnen. Wenn Politik auf ein solches Signal nur mit Prozesssprache antwortet, wird aus Distanz Entfremdung, und aus Entfremdung wird am Ende Strukturverlust. Der eigentliche Test beginnt erst jetzt: ob der parlamentarische Raum den Mut findet, Stabilität als Voraussetzung von Reform zu behandeln, nicht als spätere Option.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.

Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.

Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.

Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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