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APOTHEKE | Systemblick |
Stand: Montag, 27. Oktober 2025, 13:07 Uhr
Apotheken-News: Kommentar von heute
Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Leitmedien-Argumente, Vor-Ort-Apotheken und Versorgungssicherheit
Leitartikel dürfen provozieren. Doch wer die These „Keiner braucht die Apotheken“ ausruft, verwechselt den sichtbaren Warenfluss mit der unsichtbaren Sicherheitsarbeit, die Versorgung erst verlässlich macht. Sprache setzt Rahmen: Wird Beratung als Störung erzählt, erscheint professionelle Prüfung wie überflüssige Reibung. In Wahrheit ist sie der Puffer, der Fehler klein hält und Entscheidungen robust macht. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ funktioniert hier weniger als Vorwurf denn als Diagnose einer Verkürzung – von Versorgung auf Bequemlichkeit.
Bei apothekenpflichtigen Mitteln geht es nicht um den Griff ins Regal, sondern um Einordnung im Kontext von Vorerkrankungen, bisherigen Therapien und Erwartungen. Oft entscheidet ein einziges Gegenlesen der Selbstdiagnose über Wirkung statt Enttäuschung. Das kurze Gespräch an der Offizin ist kein Bühnenmoment, sondern ein Prüfpunkt: Indikation, Wechselwirkungen, Doppelungen, galenische Details – all das bleibt unsichtbar, wenn Beratung zur Folklore erklärt wird. Wo diese Prüfung fehlt, wandert das Risiko leise zum Patienten.
Im Rx-Bereich ist die pharmazeutische Zweitsicht keine Konkurrenz zur ärztlichen Entscheidung, sie macht sie belastbarer. Verordnungen werden in Wirklichkeit übersetzt: Dosierschemata, Freigaben, Abgrenzung von Kontraindikationen, Erkennen von Medikationskonflikten. Der Mehrwert liegt dort, wo Papier und Alltag auseinanderdriften. Eine zweite Fachperspektive ist kein Anmaßungsakt, sondern Sicherheitsstandard.
Nähe wirkt nicht sentimental, sondern zeitlich. Notdienst, Engpassmanagement, Rezepturen mit Zwischenstärken, pädiatrische Anpassungen – vieles davon lebt von kurzen Wegen und situativer Entscheidung. Zentralisierung klingt effizient, bis Stabilitätsgrenzen, Transportzeiten und individuelle Anpassung die hübsche Gerade in Kurven verwandeln. Lieferung erreicht Haushalte, Versorgung erreicht Menschen – das ist der Unterschied: Die eine bringt ein Paket, die andere beantwortet die nicht gestellte Frage.
Die Effizienzerzählung blendet Kostenversatz gern aus. Gesparte Prüfzeit taucht später als Komplikation, Therapieabbruch oder erneuter Arztkontakt wieder auf. Unsichtbare Arbeit bleibt ökonomisch unsichtbar – bis sie fehlt. Wer Apothekenarbeit rhetorisch verkleinert, verschiebt Kosten in andere Kassen und Risiken in private Lebensläufe. Modernisierung ist möglich, ohne Sicherheiten zu opfern: E-Rezept, Telepharmazie, Botendienst ergänzen – sie ersetzen nicht. Aus Reibung entsteht Qualität: die Rückfrage, die ein Missverständnis auflöst; der Blick in die Historie, der eine Interaktion verhindert; das leise „eher nicht“, das Schaden vermeidet, bevor er entsteht.
Leitmedien prägen Atmosphäre. Wer Leichtigkeit verspricht, trägt Verantwortung für die Folgen dieses Tons. Versorgung ist kein Kommentarwettbewerb, sondern täglich eingeübte Sorgfalt. Die stille Arbeit der Vor-Ort-Apotheken fällt erst auf, wenn sie fehlt – dann ist die Bequemlichkeit von gestern der Aufwand von morgen. Nüchtern bleibt: Logistik bewegt Produkte, Pharmazie schützt Menschen. Zuspitzung darf knistern – nur nicht die Sicherungen herausdrehen.
Man kann Versorgung als Strecke zwischen Regal und Haustür erzählen—reibungslos, linear, scheinbar modern. Doch zwischen Wunsch und Wirkung liegt ein leises, hart erarbeitetes Korrektiv: Fragen, die niemand gestellt haben wollte, und Antworten, die unangenehm, aber hilfreich sind. Dort, wo Sprache Erwartungen formt, entscheidet sich Qualität lange vor der ersten Dosis. Wer die Offizin zur Kulisse macht, verliert genau jenen Puffer, der Fehler klein hält und Alltag ruhig.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Leitartikel Tempo machen, braucht die Versorgung ihren Takt: die zweite Sicht, die Nachfragen, die dokumentierte Sorgfalt. Wo Nähe Zeit spart, wird Zentralisierung schnell teuer—nicht an der Kasse, sondern im Risiko. Es ist reifer, Beratung als gemeinsame Aufgabe zu erzählen statt als Störung. Dann wird aus Zuspitzung ein Anstoß und aus Debatte Orientierung. Und die Vor-Ort-Apotheke bleibt, was sie täglich ist: der stille Teil des Sicherheitsversprechens. Das ist der Unterschied, der zählt.
SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de
Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.
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