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  • 16.09.2025 – Nullrunde beim Fixum, PTA-Vertretung im Fokus, Zweigapotheken als Trostpflaster
    16.09.2025 – Nullrunde beim Fixum, PTA-Vertretung im Fokus, Zweigapotheken als Trostpflaster
    APOTHEKE | Systemblick |  Reform ohne Fixum, aber mit Skonti-Rückkehr, mehr Austausch und flexibleren Öffnungszeiten; PTA-Vertretung eng begrenzt. Versand-Kühlkette wir...

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Sehr geehrte Apothekerin, sehr geehrter Apotheker,
hier ist der vollständige Text für Sie:

ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick | 

Nullrunde beim Fixum, PTA-Vertretung im Fokus, Zweigapotheken als Trostpflaster

 

Ausgabe Nr. 39 | Eckpunkte vorgestellt, Fixum vertagt, Kompetenzen verschoben – Versandkontrolle offen

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Apothekenreform, Fixumsdebatte, GKV-Finanzen und operative Konsequenzen in der Offizin

Die Erwartung war groß, der Moment symbolträchtig: Eine neue Ministerin, ein frischer Anlauf – und doch beginnt alles mit der Nullrunde. Wer seit Jahren auf einen fairen Ausgleich beim Festzuschlag wartet, hört nun „Wiedervorlage“. Politisch mag der Verweis auf die GKV-Finanzen nachvollziehbar sein, ökonomisch ist er für die Offizin ein Risiko, das sich jeden Monat in Kassenlage, Personalplanung und Investitionsstau übersetzt. Eine Reform, die zuerst Einnahmen vertagt und zugleich neue Aufgaben ankündigt, verschiebt das Gleichgewicht weiter in Richtung Belastung. Das ist der Kern der Ernüchterung, die im Saal spürbar wurde.

Dass Skonti wieder erlaubt werden sollen, ist richtig – aber es bleibt Opportunitätsertrag, kein struktureller Fix. Skonti lindern Liquiditätsdruck, sie ersetzen keine kalkulierbare Honorarbasis. Ähnlich ambivalent ist die Anhebung der Notdienstpauschale: Sie hilft vor allem Randlagen, hinterlässt aber Lücken dort, wo der Tagesbetrieb die Spanne aufzehrt. Wenn die Mittel zudem aus dem pDL-Topf umgeleitet werden, wird der Anreiz für evidenzbasierte Dienstleistungen ausgehöhlt – ein Zielkonflikt, den man offen benennen muss. Wer die Fläche sichern will, braucht plus X im Tagesgeschäft, nicht nur Pluspunkte in Sonderlagen.

Die geplante Verhandlungslösung zwischen Selbstverwaltungspartnern klingt modern, ist aber nur so gut wie ihre Leitplanken. Ohne klare, justiziable Indexmechanik droht aus „Dynamisierung“ ein Debattenkarussell zu werden, das jedes Jahr von vorn beginnt. Andere Sektoren zeigen: Verhandeln wirkt, wenn Basis, Bandbreiten und Eskalationswege eindeutig sind. Für die Apotheke hieße das: definierter Warenkorb, transparenter Kostenindex, Fristen mit Automatismen – und eine Schlichtung, die mehr ist als höfliche Bitte. Sonst bleibt der Honorarparagraf ein Ventil für Haushaltslage statt ein Spiegel der Versorgungsrealität.

Heikel sind die Kompetenzverschiebungen. PTA-Vertretungen in engem Rahmen, Abgaben ohne Rezept bei bekannten Chronikertherapien, mehr Prävention und Impfen: Das kann Versorgung entzerren – oder neue Bruchstellen schaffen. Entscheidend ist die Architektur: Welche Qualifikationslinie, welche SOP, welche Dokumentationspflicht in die ePA, welche Rückkopplung zur Praxis sind verpflichtend, nicht „nice to have“? Ein Rechtsrahmen, der offen ist für Verantwortung, muss geschlossen sein gegen Schlupflöcher. Andernfalls trägt die Offizin die Haftung für Systemeffekte, die sie nicht steuert.

Zweigapotheken und Labor-Zentralisierung adressieren echte Engpässe, bergen aber Resilienzrisiken. Je länger die Wege im Filialverbund, desto höher die Verwundbarkeit bei Ausfällen, Temperaturspitzen und Personalengpässen. Zentralisierung senkt Redundanz – ein Vorteil im Normalbetrieb, ein Nachteil im Störfall. Wer hier lockert, sollte gleichzeitig Mindeststandards für Backup-Strukturen, Kühlketten-Nachweise, Stellvertretung und Auditfrequenzen festziehen. Resilienz entsteht nie durch Vereinfachung allein, sondern durch bewusste Doppelungen an den kritischen Stellen.

Beim Versandhandel ist der Ton schärfer, die Klarheit aber noch nicht. Boni-Verbot und Temperaturführung gelten – doch ohne Zuständigkeiten, Kontrollen und Sanktionskaskade bleiben sie oft Papiertiger. Wenn der Staat hier „alle“ in die Pflicht nimmt, braucht es trotzdem ein zentrales Organ, das systematisch prüft und ahndet. Die Umfragen zur Paketpraxis im Sommer haben gezeigt, wie dünn die letzte Meile sein kann. Gleich lange Spieße entstehen erst, wenn dieselbe Strenge für dieselbe Leistung gilt – am HV-Tisch wie an der Haustür.

Die Direktabrechnung der pDL mit den Kassen klingt nach Entbürokratisierung, kann aber Retax-Risiken in die Fläche tragen. Solange Interpretationsspielräume groß sind, wird aus „Direkt“ schnell „Direkt im Streit“. Besser wäre, die pDL gesetzlich zu schärfen, einheitliche Prüfkriterien festzulegen und eine Schutzschranke gegen Nullretax für formale Abweichungen zu verankern – genau so, wie es bei Rx-Abgaben endlich in Aussicht steht. Wer Qualität will, muss die Belegwege einfach und die Auslegungen eng machen.

Was bleibt, ist ein Reformbild, das viel auf den Prüfstand stellt, ohne den tragenden Balken zu verstärken. Die Apotheke kann und will mehr – Prävention, Impfungen, strukturierte Tests, engere Interprofessionalität. Aber „mehr“ ohne solide Basis wird zur Wette auf Idealismus und Reserven. Die politischen Spielräume sind real begrenzt; gerade deshalb braucht es Prioritäten: erst die Basis stabilisieren, dann Aufgaben erweitern. In dieser Reihenfolge entsteht Fortschritt, der trägt.

Für Betreiberinnen und Betreiber heißt das: jetzt zweigleisig fahren. Kurzfristig Liquidität und Retaxschutz sichern, Prozess-SOPs für neue Aufgaben in der Schublade haben, Nachweise (Kühlkette, Austausch, ePA-Dokumentation) auf Audit-Niveau bringen. Mittelfristig in pDL-fähige Strukturen investieren, die unabhängig von Fondslogik Wert schaffen: Terminierung, Räumlichkeiten, Messpunkte, Kurz-Dokumentation, Kooperation mit Ärzteschaft. Und politisch: die Verhandlungslösung mit harten Indizes einfordern, damit „Dynamisierung“ nicht wieder zum Schlagwort verkommt.

Am Ende dieser Woche steht weniger Euphorie als Ehrlichkeit. Das ist kein schlechtes Ergebnis, wenn es der Auftakt zu Präzision ist: Präzise Honorarbasis, präzise Regeln, präzise Zuständigkeiten. Die Apotheke vor Ort bleibt das robuste Gefäß der Versorgung – vorausgesetzt, die Politik füllt es nicht mit Erwartungen, sondern mit belastbaren Rahmenbedingungen. Dann wird aus „light“ Schritt für Schritt Substanz.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Zugleich müssen die Zahlungsflüsse stimmen: dynamisiertes Fixum, geregelte Skonti und retaxfeste pDL, damit die Offizin planen kann. In der Abrechnung sichern einfache, auditfeste Prozesse und eine saubere Hilfsmittel-Strecke die Liquidität, statt sie in Schleifen zu binden. Im Quartier gewinnt, wer Prävention sichtbar macht – mit definierten Servicezeiten, dokumentierten Ergebnissen und kurzen Rückwegen zur Praxis.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.

Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.

Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.

Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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