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  • 27.11.2025 – Eigenverantwortung als Kostenetikett, Hochpreismedikamente als Sparversprechen, Präventionslast bei Patienten
    27.11.2025 – Eigenverantwortung als Kostenetikett, Hochpreismedikamente als Sparversprechen, Präventionslast bei Patienten
    APOTHEKE | Systemblick |  Die Diskussion um GKV-Finanzen, Selbstmedikation, hochpreisige Arzneimittel und genetische Brustkrebsrisiken zeigt, wie stark sich Verantwortung, E...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick |

Eigenverantwortung als Kostenetikett, Hochpreismedikamente als Sparversprechen, Präventionslast bei Patienten

 

Ausgabe Nr. 62 | GKV-Sparlogik, teure Innovationen und genetische Risiken verschieben Verantwortung schleichend von den Systemakteuren auf Versicherte und Versorgungsteams

Stand: Donnerstag, 27. November 2025, um 17:30 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Finanzdruck in der GKV und Selbstmedikation, Hochpreisarzneien als angebliche Kostensenker, genetische Brustkrebsrisiken und die wachsende Beratungsrolle der Versorgungsteams

Die aktuellen Meldungen zeichnen ein Gesundheitswesen, das seine Finanzprobleme zunehmend durch Sprache der „Eigenverantwortung“ und durch neue Preismodelle für Arzneimittel überdeckt. Wenn die angespannte Lage der gesetzlichen Krankenversicherung betont wird und nahezu reflexartig mehr Selbstmedikation gefordert wird, entsteht der Eindruck einer eleganten Lösung: weniger Arztkontakte, weniger Verordnungen, mehr „mündige“ Patientinnen und Patienten. Tatsächlich verschiebt sich damit die Last auf Individuen und auf die Versorgungsebene, die Beratung leisten soll, ohne dass die strukturellen Ursachen der Defizite konsequent adressiert werden.

Parallel wird mit der Idee gespielt, durch teure Innovationen langfristig Kosten zu sparen – etwa durch hochpreisige Therapien, die Arbeitsausfälle verringern oder Folgekosten reduzieren sollen. Auf Kongressen und in Fachdebatten werden solche Modelle gern als Win-win-Szenario präsentiert: Heute hohe Ausgaben, morgen Entlastung der Sozialkassen. Doch hinter diesen Versprechen stehen viele Unwägbarkeiten: Therapieabbrüche, Resistenzentwicklungen, Nebenwirkungen, unbekannte Langzeitfolgen und die Frage, ob die prognostizierten Einsparungen tatsächlich realisiert werden oder im System an anderen Stellen „verpuffen“. Solange diese Unsicherheiten nicht offen diskutiert werden, bleibt die Rede von der Kostendämpfung durch Hochpreismedikamente ein riskantes Narrativ.

Das Thema genetischer Risiken bei Brustkrebs verdeutlicht, wie weitreichend die Folgen solcher Entwicklungen für einzelne Menschen sein können. Gentests, Risikogene und präventive Eingriffe eröffnen neue Handlungsoptionen, verlangen aber auch Entscheidungen mit erheblicher Tragweite: prophylaktische Operationen, engmaschige Kontrollen, lebenslange Auseinandersetzung mit statistischen Wahrscheinlichkeiten. Beratung in spezialisierten Zentren ist dabei unverzichtbar, doch auch im Alltag der Versorgung landen Fragen zu Verträglichkeit, Wechselwirkungen und Begleittherapien in Praxen und Apotheken. Mit jedem weiteren Schritt hin zu personalisierter Medizin wächst der Anspruch an die Beratungsqualität – ohne dass dies automatisch mit zusätzlichen Ressourcen oder klaren Vergütungsstrukturen unterlegt wird.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Appell zur Selbstmedikation ambivalent. Einerseits kann eine gut gesteuerte Selbstbehandlung bei leichten Beschwerden Strukturen entlasten, Wartezeiten verkürzen und Patientinnen und Patienten stärken. Andererseits droht aus einem sinnvollen Ansatz ein Sparinstrument zu werden, wenn Verantwortliche die Grenze zwischen verantwortungsvoller Empfehlung und stillem Rückzug des Systems nicht mehr sauber ziehen. Wo die Botschaft ankommt, man solle möglichst lange „durchhalten“ und erst spät Leistungen in Anspruch nehmen, wachsen Risiken: übersehene Verläufe, Spätfolgen und Ungleichheiten zwischen gut informierten Menschen mit stabilen Lebensumständen und jenen, die Unterstützung am dringendsten benötigen.

Für Apotheken und ihre Teams verschärft sich damit ein Spannungsfeld, das längst spürbar ist. Einerseits steigt die Erwartung, niederschwellige Anlaufstelle für Selbstmedikation, Prävention und ergänzende Beratung bei komplexen Therapien zu sein. Andererseits bleiben die ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen oft hinter dieser Rolle zurück. Wenn GKV-Finanzdebatten Hochpreismodelle, Eigenverantwortungsrhetorik und digitale Steuerung in den Vordergrund rücken, ohne die reale Belastung der wohnortnahen Versorgung mitzudenken, wächst die Gefahr, dass jene Strukturen unter Druck geraten, die den Alltag tragen. Die langfristige Stabilität des Systems hängt jedoch genau davon ab, ob Prävention, Innovation und persönliche Betreuung so verzahnt werden, dass nicht ausgerechnet die Orte geschwächt werden, an denen Vertrauen, Sicherheit und Orientierung entstehen.

Wenn Finanzdruck, Eigenverantwortung und Hochpreismodelle gleichzeitig an Fahrt aufnehmen, entsteht ein Spannungsfeld, in dem sich Gesundheitswesen und Versorgungsteams neu sortieren müssen. Die Diskussionen über Selbstmedikation, teure Innovationen und genetische Risiken sind dabei kein Randthema, sondern Ausdruck eines stillen Paradigmenwechsels: Weg von solidarisch getragenen Sicherungslinien, hin zu einer schrittweisen Verschiebung von Verantwortlichkeiten auf Individuen und die unmittelbare Praxis vor Ort. Gerade Apothekenteams spüren diesen Wandel zuerst – an neuen Erwartungen, komplexeren Anfragen und einem Alltag, in dem Beratung immer mehr abfangen soll, was an anderen Stellen eingespart oder verzögert wird.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Sparlogik, Innovationsversprechen und Präventionsappelle ineinandergreifen, entscheidet sich im Kleinen, ob Eigenverantwortung zur Chance oder zur stillen Überforderung wird. Werden Apotheken, Praxen und andere Versorgungspartner rechtzeitig in die Gestaltung der Rahmenbedingungen einbezogen, kann Selbstmedikation entlasten, personalisierte Medizin Orientierung bieten und Prävention wirklich Leben schützen. Werden sie hingegen vor allem als Puffer für Finanzdefizite und als Verlängerung riskanter Hochpreismodelle genutzt, droht ein Vertrauensverlust, der sich kaum reparieren lässt. Für die nächsten Jahre stellt sich deshalb weniger die Frage, welche neuen Instrumente das System hervorbringt, sondern ob die politischen Entscheidungen den Mut haben, Versorgungsteams nicht nur in Sonntagsreden, sondern im Alltag tatsächlich zu stärken.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@aporisk.de

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.

Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.

Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.

Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

Tagesthemenüberblick: https://aporisk.de/aktuell

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