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  • 11.08.2025 – Versorgung sucht Richtung, Regulierung sucht Balance, Fortschritt sucht Mut
    11.08.2025 – Versorgung sucht Richtung, Regulierung sucht Balance, Fortschritt sucht Mut
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Apotheken-News zu Versandstreit, Gesetzesänderungen, Fachkräftemangel, Essstörungen, Telemedizin, Salbeiernte, PROTAC-Therapie und UV-S...

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ApoRisk® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Versorgung sucht Richtung, Regulierung sucht Balance, Fortschritt sucht Mut

 

Wie Apotheken zwischen Versanddebatte, Gesetzesnovellen, Fachkräftemangel, Patientensicherheit und medizinischen Innovationen eine Zukunftsstrategie entwickeln müssen

Apotheken-News: Bericht von heute

Zwischen Anspruch und Alltag entscheidet sich, wie Versorgung wirklich funktioniert: wenn große Worte auf kleine Stellschrauben treffen, wenn Regulierung auf Prozesse prallt und wenn Beratung die Lücke schließt, die Technik allein nicht schließen kann. Der aktuelle Nachrichtenbogen spannt sich von einem CEO, der im Streit um den Rx-Versandhandel provoziert, über ein Kabinett, das das TAMG für Haustiere präzisiert, bis hin zu Studierenden, die Anerkennung beschleunigen wollen. Dazu kommen alarmierende Trends bei Essstörungen, die Gematik mit Video-Ident als pragmatischerem Zugang zur ePA, eine sächsische Manufaktur, die Qualität buchstäblich pflückt, ein molekulares Werkzeug, das beim Brustkrebs den Rezeptor selbst entsorgt, und die simple, unterschätzte Sonnenbrille als Augenschutz. Technik, Recht, Ökonomie und Evidenz sind dabei keine Inseln, sondern Teile eines Ganzen – und genau dort setzt der Blick zwischen den Zeilen an, den der Bericht am Ende öffnet.

 

 

Der Konflikt um den Rx-Versandhandel in Deutschland ist längst mehr als ein Streit um Vertriebswege; er ist ein Lackmustest dafür, wie eine alternde Gesellschaft Versorgung, Digitalisierung und Verantwortung zusammenbringt. Als DocMorris-CEO Walter Hess öffentlich die Forderung von ABDA-Präsident Thomas Preis nach einem Rx-Versandverbot kritisierte („Wer Verbote fordert, hat keine Lösungen“), berührte er die Grundfrage: Verhindert Regulierung Fehlentwicklungen – oder verhindert sie auch den Fortschritt, den Patientinnen und Patienten brauchen?

Hess argumentiert, der Versand ergänze die Versorgung, Telemedizin und Telepharmazie seien Bausteine einer flächendeckenden, modernen Infrastruktur, die Patientenwahl müsse Vorrang haben. Preis hält dagegen, dass Versandmodelle den Versorgungsauftrag systematisch stören und Anreize verzerren. Dazwischen steht ein System, in dem rund 3.200 bis 3.250 Vor-Ort-Apotheken eine Versandlizenz führen, faktisch aber nur ein Teil davon Versand in nennenswerter Größenordnung betreibt – ein Bild, das die Spannung zwischen Option und Umsetzung sichtbar macht.

Wer den Streit rein politisch liest, verpasst die operative Wahrheit: Versand ist kein Selbstzweck, sondern ein logistisches Versprechen unter pharmazeutischer Verantwortung. Kühlketten, Temperatur-Monitoring, lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit sind keine PR-Vokabeln, sondern haftungsrelevante Pflichten. Sie entscheiden darüber, ob der letzte Kilometer therapeutisch neutral bleibt oder zum Risiko wird.

Die Behauptung, nicht kühlpflichtige Arzneimittel ließen sich mit risikobasiertem Temperaturmanagement sicher versenden, ist nur dann belastbar, wenn Prozessdesign, Transportpartner und Qualitätskontrollen zusammenpassen – und zwar reproduzierbar. Für kühlpflichtige Produkte gilt das doppelt: Nur spezialisierte Kühl-Logistik mit validierter Temperaturführung bis zur Haustür, mit qualifizierten Verpackungen, Sensorik und Ereignisprotokoll, genügt den Anforderungen. Stichproben allein reichen nicht; es braucht eine risikobasierte Prüfsystematik, die Ausreißer erkennt, Ursachen analysiert und Maßnahmen auslöst.

Gleichzeitig verschiebt der Gesetzgeber die Linien: Das Bundeskabinett hat die Lockerung des Versandverbots für verschreibungspflichtige Tierarzneimittel beschlossen. Künftig sollen Apotheken mit Versanderlaubnis definierte Rx-Tierarzneimittel für nicht lebensmittelliefernde Tiere versenden dürfen; Tierärzte erhalten eng begrenzte Einzelfall-Spielräume im Rahmen der tierärztlichen Hausapotheke. Damit öffnet sich ein Marktfenster – aber eines mit Auflagen.

Temperaturanforderungen müssen bis zur Abgabe am Empfänger eingehalten, bei besonders sensiblen Präparaten durch mitgeführte Temperaturkontrollen valide nachgewiesen werden. Parallel wird in § 11a ApoG klargestellt, dass Versanderlaubnisse formal Human- und Tierarzneien umfassen. Wer bereits eine Erlaubnis hat, darf sie nach Inkrafttreten auf Tierarzneien ausweiten, muss aber das Qualitätsmanagementsystem nach § 2a ApoG anpassen. Für Apotheken bedeutet das: neue Chancen, aber auch neue Audit-Linien, SOP-Updates, Schulungen und Versicherungsfragen – von Transport- und Produkthaftung über Kühlkettenbruch bis zur Deckung bei temperaturbedingten Wirkverlusten.

Der Arbeitsmarkt setzt den Rahmen enger, als es jede Verordnung je könnte. Der BPhD begrüßt die Vereinfachung der Anerkennung ausländischer Qualifikationen – die Option, statt einer aufwendigen Gleichwertigkeitsprüfung eine Kenntnisprüfung zu verlangen, senkt Barrieren und verkürzt Zeitachsen. Doch die Reform wird nur dann Wirkung entfalten, wenn flankierende Maßnahmen kommen: finanzielle Brückenmodelle für Auszubildende, berufsbegleitende, fachspezifische Sprachförderung, digitale Anerkennungsportale, und vor allem eine Approbationsordnung, die patientenorientierte, interprofessionelle, digitale und versorgungsnahe Inhalte stärkt.

Sonst bleiben 47.000 unbesetzte Stellen ein Spiegel struktureller Lücken – und die Zahl anerkannter Abschlüsse verpufft ohne Bindungseffekte in den Teams. Dass Versorgungslagen nicht nur ökonomisch, sondern auch psychosozial unter Druck stehen, zeigen die Zahlen zu Essstörungen. Die stationären Behandlungen bei Mädchen und jungen Frauen haben sich in zwei Jahrzehnten verdoppelt; Anorexie bleibt die häufigste Diagnose, die Verweildauer steigt auf über 50 Tage – ein Indikator für Komplexität und Chronifizierung.

Die Pandemie wirkte als Katalysator: weniger soziale Kontakte, mehr Bildschirmzeit, mehr Vergleichbarkeit, mehr algorithmisch befeuerte Ideale. Apotheken sind keine Kliniken, aber sie sind erste Kontaktpunkte – für niedrigschwellige Ansprache, Infomaterial, sensible Beratung und lotsende Hinweise auf Hilfsangebote. Das ist keine Zusatzaufgabe, sondern Teil des öffentlichen Gesundheitsauftrags, der im Alltag oft unsichtbar bleibt.

Digital dreht sich das Rad weiter: Die Gematik lässt nach Jahren des Zögerns Video-Ident in der TI zu. Das klingt technisch, ist aber zutiefst praktisch: Weniger Hürden bei ePA-Onboarding und digitalen Diensten, weniger Medienbrüche, mehr Chancen für eine reale Nutzung der elektronischen Patientenakte. Für Apotheken kann das zwei Effekte haben: Erstens sinkt der Aufwand, wenn Versicherte digitale Identitäten einfacher erlangen; zweitens wachsen die Erwartungen an datenschutzfeste, intuitiv bedienbare Prozesse in der Offizin.

Wer QR-Codes, Karten, Apps und Ident-Prozesse heute schon bruchfrei handhabt, wird morgen weniger Reibung haben – und eher als vertrauenswürdiger Knoten im Gesundheitsnetz wahrgenommen. Am anderen Ende des Spektrums erzählt die Bombastus-Salbeiernte eine stille Geschichte der Sorgfalt. Acht Hektar Anbaufläche, Erntestop wegen Regen, Handpflückung für die höchste Qualitätsstufe – das klingt klein, ist aber beispielhaft für Wertschöpfungstiefe: vom Feld über Trocknung und Rebeln bis in die 25-Gramm-Packung in der Apotheke.

Qualität ist hier kein Slogan, sondern das Ergebnis von Wetterfenstern, Erfahrung, Prozessdisziplin und Geduld. Das ist die gleiche DNA, die moderne Lieferketten brauchen – nur dass dort statt Sonne und Regen Sensoren, Daten und Validierungsreports die Parameter setzen. In der Onkologie markiert Vepdegestrant (ein PROTAC gegen den Östrogenrezeptor) einen Sprung: Nicht nur blockieren, sondern gezielt abbauen – Protein-Degradation als Therapieprinzip.

In der Subgruppe von Patientinnen mit ESR1-Mutation zeigt sich ein klarer PFS-Vorteil; in der Gesamtpopulation ist der Effekt neutral. Diese Asymmetrie ist keine Schwäche, sondern ein Signal für Präzisionsmedizin: Wer präzise testet, therapiert präziser. Für Apotheken heißt das: Genotypisierung verstehen, Lieferketten für Spezialpräparate sichern, Interaktionen managen, Adhärenz begleiten, Nebenwirkungen triagieren – und in interprofessionellen Boards mitdenken.

Und schließlich die einfache, wirksame Prävention: UV-Schutz für die Augen. Keine Lifestyle-Debatte, sondern Evidenz. UV-400-Filter, ausreichende Abdeckung von vorn und der Seite, erhöhte Aufmerksamkeit bei Kindern und Jugendlichen, Schutz bei hohem UV-Index, am Meer und im Gebirge. Sonnenbrillen verhindern weder Vitamin-D-Bildung noch stören sie den Biorhythmus; sie verhindern vor allem keine Gesundheit – sie schützen sie.

Apotheken sind hier Instruktoren des Alltags: erklären, welche Kennzeichnungen zählen, worauf es bei Passform und Seitenschutz ankommt, und warum „hell“ nicht automatisch „sicher“ heißt. Deutschland oszilliert seit zwei Jahrzehnten zwischen Liberalisierung und Preisbindung. Der Fernabsatz wurde schrittweise geöffnet, das Preisrecht blieb – für inländische Apotheken – bindend.

Der europarechtliche Druck – etwa die unterschiedliche Behandlung grenzüberschreitender Versender – verschob die Marktrealität: Boni, die hier verboten sind, wirken dort als Wettbewerbsvorteil. Der nationale Reflex – Verbotsforderungen – erscheint politisch verständlich, löst aber den Zielkonflikt nicht. Denn jede Verschärfung ohne gleichzeitige Modernisierung der Vor-Ort-Versorgung produziert eine Lücke.

Dort, wo Telepharmazie, Botendienste mit engen Zeitfenstern, Rezeptur- und Heimversorgung und digitale Termin-/Beratungssysteme nicht finanziell hinterlegt sind, entsteht Frust – bei Teams und bei Patienten. International zeigt sich ein Spektrum: Die Niederlande setzen auf klare Versenderprozesse, starke Prozess- und IT-Qualität, transparente Lieferketten und enge Verzahnung mit Hausärzten.

Großbritannien fährt mit NHS-Rahmen und Community-Pharmacies zweigleisig: klinische Services vor Ort (u. a. unter Primary Care-Programmen) und E-Prescriptions, die auch zu Versendern fließen können; die Debatte dreht sich dort eher um Underfunding der Offizin als um das Ob des Versandhandels. Skandinavien favorisiert hybride Modelle: digital vorbestellen, vor Ort abholen, in ländlichen Räumen mit staatlich flankierten Logistik-Routen.

Die Schweiz toleriert Versand unter strengen Auflagen, der Fokus liegt auf Beratungsqualität und Dokumentation. Die USA schließlich zeigen die Risiken eines dominanten Benefit-Intermediärs: PBMs bündeln Marktmacht, Mail-Order wächst, aber die Versorgung wird nicht automatisch patientenzentrierter; „dirigere“ braucht Regulierung gegen Fehlanreize und für Transparenz.

Aus diesen Vergleichen lassen sich harte Lehren ziehen: Versand ohne Versorgungsarchitektur produziert Reibung, Preis- und Vergütungslogik entscheiden über Nachhaltigkeit, kalte Prozesse brauchen warme Kommunikation, Datenqualität ist Versorgungsqualität, Wettbewerb ohne Mindeststandards benachteiligt die, die Standards einhalten. Haftung reist mit jedem Paket: Produkthaftung knüpft ans Produkt, Berufshaftpflicht an Beratung und Abgabe, Transportversicherung an den Weg.

Kühlkettenbruch ist potenziell haftungsrelevant. Versicherer werden Risikoselektion und Schadenhistorie prüfen, Prämien folgen Prozessqualität. Botendienste, Medikationsanalysen, Rezepturen, Pflegeheimversorgung sind harte Kosten und kritische Versorgung. Szenarien bis 2030 reichen vom Strukturkompromiss mit moderatem Versandwachstum und honorierten Vor-Ort-Leistungen über Regelstress mit Unsicherheit und Standortschwund bis zu einem neuen Versorgungsvertrag mit klaren Service-Katalogen und Qualitätsstandards.

Apotheken sollten jetzt strategisch Position beziehen, Prozesse härten, Datenwege säubern, Teams entwickeln, Prävention sichtbar machen und Partner binden. Die rhetorische Zuspitzung von Hess ist politisch wirksam, aber nur halbe Wahrheit; Regeln ohne Lösungen sind ebenso wenig Versorgung wie Lösungen ohne Regeln. Innovationen wie PROTACs verschieben Horizonte, doch Versorgung wird im Alltag gewonnen.

Die Bombastus-Ernte zeigt: Qualität ist die Summe vieler kleiner, geduldiger Entscheidungen. Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt, wenn das Verstehen längst vorbei ist. Was nicht gesagt wurde, wirkt trotzdem. Nicht für alle. Nur für jene, die hören, was zwischen den Sätzen spricht.

Am Ende entscheidet nicht der Kanal, sondern die Qualität der Verantwortung: Wer Standards setzt, Prozesse trägt und Menschen erreicht, macht den Unterschied – vor Ort, digital und auf jedem Weg dazwischen.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt, wenn das Verstehen längst vorbei ist. Was nicht gesagt wurde, wirkt trotzdem. Nicht für alle. Nur für jene, die hören, was zwischen den Sätzen spricht. Und genau dort liegt die Deutung: Der Text endet, aber die Aufgabe beginnt – in jedem Gespräch, in jeder Abgabe, im nächsten präzisen Handgriff.

 

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