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  • 01.04.2025 – Apotheken-News: Die Cannabisreform stockt und der Kommerz floriert
    01.04.2025 – Apotheken-News: Die Cannabisreform stockt und der Kommerz floriert
    APOTHEKE | Medienspiegel & Presse | Es sollte der Anfang vom Ende des Schwarzmarkts sein – doch ein Jahr nach der Teillegalisierung von Cannabis ist die Realität eine ande...

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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-News: Die Cannabisreform stockt und der Kommerz floriert

 

Ein Jahr nach der Teillegalisierung stockt die Reform, der Schwarzmarkt bleibt stabil, während Apotheken und Rezeptportale profitieren

Es sollte der Anfang vom Ende des Schwarzmarkts sein – doch ein Jahr nach der Teillegalisierung von Cannabis ist die Realität eine andere: Die Clubs fehlen, die Apotheken verdienen, und Online-Plattformen hebeln medizinische Regeln aus. Während sich die Politik neu sortiert, wachsen ökonomische Interessen schneller als die Kontrolle. Ein Bericht über ein Gesetz zwischen Anspruch, Ausnutzung und absehbarem Konflikt.


Ein Jahr nach der Teillegalisierung von Genusscannabis offenbart sich ein Spannungsfeld zwischen politischen Zielsetzungen, wirtschaftlicher Dynamik und regulatorischer Unsicherheit. Was als gesellschaftspolitischer Aufbruch gedacht war, ist in der Praxis zu einem Experiment mit ungewissem Ausgang geworden. Die versprochene Entlastung der Strafverfolgungsbehörden und der Einstieg in eine kontrollierte, staatlich begleitete Cannabis-Abgabe haben zwar teilweise Wirkung gezeigt – die Zahl cannabisbezogener Strafanzeigen ist bundesweit deutlich gesunken –, doch die übergeordneten Ziele, insbesondere die Eindämmung des Schwarzmarktes und der gesundheitliche Verbraucherschutz, sind bisher weitgehend verfehlt worden.

Ein zentrales Problem liegt in der mangelhaften Umsetzung der vorgesehenen Versorgungswege. Die als tragende Säule geplanten Anbauvereinigungen befinden sich weiterhin in der Aufbauphase. Genehmigungsverfahren ziehen sich über Monate, vielerorts fehlen klare Zuständigkeiten und verlässliche Informationen. Die Folge ist ein flächendeckendes Defizit an legalen Bezugsquellen. Der private Eigenanbau von drei Pflanzen pro Person – formal erlaubt – bleibt für viele Konsumenten eine theoretische Option, die praktisch kaum umgesetzt wird. In der Breite der Bevölkerung ist dieser Weg weder praktikabel noch attraktiv, nicht zuletzt wegen mangelnder Anbaukenntnisse und rechtlicher Unsicherheiten bei der Lagerung und Weitergabe.

Diesen Mangel an legalen Alternativen nutzen andere Akteure gezielt aus – allen voran Anbieter von Medizinalcannabis, die über Online-Plattformen mit digitalen Rezeptausstellungen operieren. Sie haben binnen kürzester Zeit ein Geschäftsmodell etabliert, das sich formal auf medizinische Indikationen stützt, in der Praxis aber häufig auf den Freizeitkonsum abzielt. Inzwischen entfällt ein Großteil der Cannabisabgabe über Apotheken auf Selbstzahler mit Privatrezept – mit einem auffällig hohen Männeranteil im jungen Erwachsenenalter. Diagnosen wie Schlafprobleme, Stress oder Konzentrationsstörungen reichen oftmals aus, um ein Rezept zu erhalten.

Apotheken profitieren direkt vom florierenden Markt für Medizinalcannabis. Viele Betriebe haben ihre Sortimente erweitert, neue Bezugsstrukturen aufgebaut und Lieferbeziehungen zu spezialisierten Großhändlern etabliert. Einzelne Apotheken melden monatliche Umsätze im siebenstelligen Bereich. Für wirtschaftlich unter Druck stehende Betriebe ist dies eine willkommene Einnahmequelle. Doch mit dem wirtschaftlichen Erfolg wächst auch die ethische Belastung. Die Rolle der Apotheke als neutraler, heilberuflicher Ort gerät ins Wanken, wenn sie zum letzten Glied einer Kette wird, die unter dem Etikett der Medizin eine weitgehend unkontrollierte Abgabe ermöglicht.

Hinzu kommt die rechtliche Unsicherheit. Die Werbepraxis einiger Rezeptplattformen wurde bereits gerichtlich untersagt. Ein Urteil des Landgerichts Hamburg beanstandete sowohl die aggressive Öffentlichkeitsarbeit als auch die suggerierte Leichtigkeit des Zugangs zu verschreibungspflichtigen Medikamenten. Ob solche Entscheidungen Signalwirkung entfalten, bleibt unklar. Vielmehr scheint die Branche entschlossen, juristische Graubereiche bis zum Äußersten auszureizen. Die Plattformbetreiber zeigen sich kampfbereit, kündigen Marketingkampagnen an und setzen auf Expansion in andere Therapiebereiche wie Adipositas-Medikamente.

Parallel bemühen sich mehrere Kommunen um Modellregionen für die rezeptfreie, wissenschaftlich begleitete Cannabis-Abgabe. Doch die politische Lage ist fragil. Mit einem möglichen Regierungswechsel auf Bundesebene droht eine Kehrtwende. Vertreter der Union haben bereits öffentlich erklärt, die Teillegalisierung rückgängig machen zu wollen. Sollte ein konservativer Gesundheitsminister das Ressort übernehmen, könnten Rezeptportale sowie Apotheken, die mit ihnen zusammenarbeiten, ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren. Auch das Landwirtschaftsministerium, das die Modellregionen genehmigt, könnte künftig restriktiver agieren. Der regulatorische Rahmen ist alles andere als stabil.

In dieser Gemengelage stehen Apotheken zwischen ethischem Anspruch, wirtschaftlicher Notwendigkeit und politischem Risiko. Die Frage, wie viel Kommerz in der Gesundheitsversorgung akzeptabel ist, stellt sich angesichts der Dynamik im Cannabis-Markt neu. Die aktuelle Lage zeigt deutlich, wie schnell eine unvollständige Gesetzgebung mit unklaren Zuständigkeiten und halbherzigen Kontrollmechanismen zu einer kommerziellen Parallelwelt führen kann – mit ungewissem Ausgang für alle Beteiligten.


Kommentar:

Die Teillegalisierung von Cannabis ist zum Sinnbild einer Politik geworden, die gut gemeinte gesellschaftliche Reformen umsetzt, ohne die strukturellen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Es war richtig, Konsumenten zu entkriminalisieren und den Weg zu einer staatlich regulierten Abgabe zu öffnen. Doch was nützen Gesetze, wenn die praktische Umsetzung scheitert? Die Cannabis-Clubs sind nicht einmal in der Fläche angekommen, der Eigenanbau ist realitätsfern – und der Staat überlässt die entstehende Lücke dem freien Markt.

Dass Rezeptplattformen in diese Lücke stoßen, ist marktwirtschaftlich logisch, regulatorisch aber ein Offenbarungseid. Der medizinische Anspruch wird zur bloßen Formalie, wenn sich Konsumenten binnen Minuten ein Rezept sichern können – oft ohne ärztliches Gespräch, ohne Diagnostik, ohne kritische Prüfung. Die Verantwortung bleibt an Apotheken hängen, die nicht kontrollieren können, ob eine Verordnung auf seriösen Grundlagen basiert oder lediglich dem Umgehen legaler Hürden dient.

Besonders problematisch ist, dass die Politik sehenden Auges zugesehen hat, wie sich ein Graubereich etabliert hat, der sich zunehmend verselbständigt. Die moralische Debatte, ob Apotheken sich an derartigen Konstruktionen beteiligen sollten, ist legitim – aber sie greift zu kurz. Denn der Kern des Problems liegt nicht im Apothekentresen, sondern in Berlin. Die Bundesregierung hat ein Gesetz geschaffen, das in der Praxis nicht trägt – weder für Verbraucher, noch für medizinische Fachkreise.

Ein Rollback, wie ihn CDU und CSU fordern, wäre dennoch der falsche Weg. Die Rücknahme der Teillegalisierung würde weder die Plattformen stoppen noch den Schwarzmarkt eliminieren – sie würde nur das Vertrauen in eine rationale Drogenpolitik erneut beschädigen. Der richtige Weg wäre eine konsequente Regulierung mit klaren Zuständigkeiten, einheitlichen Genehmigungsverfahren und einer Entkopplung von medizinischem Bedarf und Genusskonsum. Solange diese Trennung nicht gelingt, bleibt das Cannabisgesetz ein halbherziger Kompromiss – mit fatalen Folgen für Rechtssicherheit, Gesundheitsschutz und die Glaubwürdigkeit politischer Reformprozesse.

Von Engin Günder, Fachjournalist

 

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