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SICHERHEIT | Medienspiegel & Presse |
Schwangerschaftsabbrüche sind ein sensibles Thema, das zunehmend Frauen in späteren Lebensphasen betrifft. Der Bericht beleuchtet die gesundheitlichen, sozialen und psychischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen und untersucht, wie gesellschaftliche Veränderungen die Altersstruktur der betroffenen Frauen beeinflussen.
In Deutschland wurden im Jahr 2024 insgesamt rund 106.000 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet – ein Anstieg um lediglich 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf den ersten Blick scheint die Entwicklung stabil zu sein, doch der Vergleich mit dem Jahr 2014 offenbart einen tiefgreifenden demografischen und gesellschaftlichen Wandel: Der typische Schwangerschaftsabbruch betrifft heute häufiger Frauen ab 30 Jahren, während die Zahl der Abbrüche bei jüngeren Frauen rückläufig ist.
Besonders auffällig ist der Rückgang in den Altersgruppen unter 25 Jahren. Bei den 15- bis 17-jährigen Mädchen sank die Zahl der gemeldeten Abbrüche innerhalb eines Jahrzehnts um 14 Prozent. Auch bei den 20- bis 24-jährigen Frauen wurde ein Rückgang von 8 Prozent verzeichnet. Damit wird deutlich, dass Schwangerschaftsabbrüche bei sehr jungen Frauen inzwischen deutlich seltener vorkommen als noch vor zehn Jahren. Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich hingegen in den höheren Altersgruppen. So stieg die Zahl der Abbrüche bei Frauen im Alter zwischen 30 und 34 Jahren um 13 Prozent. Besonders deutlich ist der Anstieg bei Frauen zwischen 35 und 39 Jahren mit einem Plus von 31 Prozent. Selbst bei Frauen zwischen 40 und 44 Jahren wurden 23 Prozent mehr Abbrüche registriert als im Jahr 2014.
Die Altersverteilung der betroffenen Frauen spiegelt diesen Trend wider. Im Jahr 2024 waren 70 Prozent der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen, zwischen 18 und 34 Jahre alt. Etwa 20 Prozent entfielen auf die Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen, während 9 Prozent der Eingriffe bei Frauen im Alter von 40 Jahren oder älter vorgenommen wurden. Nur 3 Prozent der Frauen waren jünger als 18 Jahre. Damit zeigt sich: Der Schwangerschaftsabbruch ist längst kein ausschließliches Thema mehr für sehr junge Frauen, sondern betrifft vermehrt Frauen, die bereits in gefestigten Lebensverhältnissen stehen.
Die Gründe für diesen demografischen Wandel sind vielschichtig. Ein wesentlicher Faktor ist der Strukturwandel innerhalb der Gesellschaft: Der Anteil junger Frauen an der Gesamtbevölkerung nimmt ab, während ältere Frauen – auch durch spätere Familienplanungen und längere Ausbildungswege – häufiger mit ungeplanten Schwangerschaften konfrontiert sein können. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Schwangerschaftsabbruch zunehmend mit komplexen Lebenslagen einhergeht, etwa mit beruflichen oder familiären Verpflichtungen, gesundheitlichen Risiken oder bereits vorhandener Kinder. Persönliche oder soziale Hintergründe der Entscheidung werden allerdings im Rahmen der statistischen Erhebungen nicht erfasst, weshalb keine Aussagen über individuelle Beweggründe getroffen werden können.
Die gesetzliche Grundlage der Abbrüche hat sich im betrachteten Zeitraum kaum verändert. Auch im Jahr 2024 erfolgten 96 Prozent der gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche nach der sogenannten Beratungsregelung. Diese sieht ein verpflichtendes Beratungsgespräch sowie eine Wartefrist von drei Tagen vor. In 4 Prozent der Fälle lag eine medizinische Indikation oder ein Schwangerschaftsabbruch nach einer Straftat vor.
Auch bei den angewandten Methoden blieb die Verteilung weitgehend stabil. Knapp die Hälfte aller Abbrüche wurde mithilfe der sogenannten Absaugmethode (Vakuumaspiration) vorgenommen, die als operatives Standardverfahren gilt. In 41 Prozent der Fälle kam der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch mit dem Präparat Mifegyne zum Einsatz. Die Wahl der Methode richtet sich dabei nach verschiedenen Kriterien wie Schwangerschaftswoche, Gesundheitszustand der Frau sowie persönlichen Präferenzen.
Insgesamt verdeutlicht die Entwicklung der letzten zehn Jahre, dass Schwangerschaftsabbrüche zunehmend unter veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stattfinden. Der Rückgang bei sehr jungen Frauen könnte auf bessere Aufklärung, verbesserte Verhütung und veränderte Lebensentwürfe hindeuten. Gleichzeitig zeigen die steigenden Zahlen bei älteren Frauen, dass auch in späteren Lebensphasen Unsicherheiten und Konflikte auftreten können, die zu einer Entscheidung gegen eine Schwangerschaft führen.
Die aktuellen Zahlen zeichnen ein differenziertes Bild des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland – ein Bild, das mit gängigen Klischees nur noch wenig gemein hat. Der Blick auf die Altersstruktur zeigt, dass es sich bei den betroffenen Frauen heute immer häufiger um Menschen handelt, die sich bereits mitten im Berufs- oder Familienleben befinden. Damit verschiebt sich auch die gesellschaftliche Perspektive auf das Thema. Wo früher jugendliche Unwissenheit oder mangelnde Aufklärung vermutet wurden, stehen heute oft finanzielle Belastungen, berufliche Zwänge oder gesundheitliche Erwägungen im Vordergrund.
Es wäre jedoch zu einfach, diese Entwicklung nur auf demografische Veränderungen zu reduzieren. Ja, es gibt anteilig mehr ältere Frauen in der Bevölkerung – doch das allein erklärt nicht die wachsende Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen in den Altersgruppen über 30. Vielmehr muss man anerkennen, dass sich die Lebensrealitäten von Frauen verändert haben. Der Kinderwunsch wird heute häufig später im Leben realisiert, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt trotz politischer Bemühungen eine große Herausforderung, und wirtschaftliche Unsicherheiten beeinflussen viele Entscheidungen auf sehr persönlicher Ebene.
Gleichzeitig lässt sich aus den Daten eine gewisse Normalisierung des Themas ablesen. Der Schwangerschaftsabbruch ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ein integraler Bestandteil reproduktiver Gesundheitsfragen. Die gesellschaftliche Debatte darüber bleibt jedoch angespannt. Noch immer ist das Thema politisch aufgeladen, moralisch umstritten und emotional belegt. Dabei wäre gerade eine sachliche, nicht stigmatisierende Diskussion wichtig – insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Frauen ihre Entscheidung nicht leichtfertig treffen, sondern nach reiflicher Überlegung und mit großer Ernsthaftigkeit.
Dass persönliche Gründe statistisch nicht erfasst werden, mag aus Datenschutzgründen nachvollziehbar sein, erschwert aber eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Es wäre hilfreich, die Perspektiven der betroffenen Frauen stärker in den Mittelpunkt zu rücken – nicht um Entscheidungen zu rechtfertigen, sondern um besser zu verstehen, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu ihnen führen. Wer Schwangerschaftsabbrüche reduzieren möchte, muss nicht nur auf Gesetze und Beratung setzen, sondern vor allem die sozialen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für selbstbestimmte Lebensplanung verbessern.
Die Zahlen von 2024 zeigen vor allem eines: Der Schwangerschaftsabbruch ist kein ausschließlich medizinisches oder juristisches Thema – sondern ein Spiegel gesellschaftlicher Wirklichkeit. Wer das ignoriert, greift zu kurz.
Von Engin Günder, Fachjournalist
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